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Vertriebsteam führen: woran du erkennst, ob es am Closer liegt — oder am Angebot

Die Quote stimmt nicht — und niemand im Haus kann dir sagen, warum. Dein Verkäufer sagt, die Leads seien schlecht. Das Marketing sagt, die Leads seien gut, es werde nur nichts daraus gemacht. Und du sitzt dazwischen, mit einer einzigen Zahl am Monatsende, die dir genau das verschweigt, was du wissen müsstest.

Die kurze Antwort

Ob es am Verkäufer liegt oder am Angebot, erkennst du nicht an der Abschlussquote. Du erkennst es an der Stelle, an der die Gespräche verloren gehen. Dafür zerlegst du dein Verkaufsgespräch in einzelne Übergänge und misst jeden für sich: Anfrage eingegangen, Kontakt erreicht, Termin vereinbart, Termin gehalten, Situation verstanden, Angebot gemacht, Entscheidung getroffen. Jede Stelle zeigt auf eine andere Ursache.
Dann gilt eine einzige Regel, die dir fast jede Diskussion im Vertriebsmeeting erspart: Verlieren alle deine Verkäufer an derselben Stelle, liegt es nicht an den Verkäufern. Dann liegt es am Angebot, am Preis, an der Zielgruppe oder an der Reihenfolge, in der ihr das Gespräch führt. Verliert dagegen einer an einer Stelle, an der die anderen durchkommen, liegt es an ihm — und du weißt sogar, woran genau. Ein Muster über mehrere Menschen hinweg ist nie die Eigenschaft eines einzelnen Menschen.
Der unangenehme Teil kommt danach. Diese Zahlen sagen dir, wo es schiefgeht. Sie sagen dir nicht, warum. Das hörst du nur, wenn du weißt, wie ein gutes Gespräch klingt. Du sollst nicht ewig selbst telefonieren. Du sollst ein Team haben. Aber du kannst kein Vertriebsteam führen, das du selbst nie gespielt hast.

Warum die Abschlussquote allein dich in die Irre führt

Die Abschlussquote ist ein Ergebnis, keine Diagnose. Sie sagt dir, dass etwas nicht stimmt, und schweigt zu allem, was danach kommt.

Eine Zahl, vier mögliche Ursachen

Schau mal: 20 Gespräche, 2 Abschlüsse. Zehn Prozent. Was sagt dir das? Ehrlich: nichts. Es kann am Verkäufer liegen, der zu früh über den Preis redet. Es kann am Angebot liegen, das für diese Zielgruppe nicht passt. Es kann an den Menschen liegen, die im Termin saßen und niemals hätten kaufen können. Es kann am Preis liegen. Vier Ursachen, ein einziger Prozentwert. Wer daraus eine Personalentscheidung ableitet, entscheidet im Blindflug — und zahlt Lehrgeld.
Ich analysiere den ganzen Tag Verkaufsgespräche. Über 4.100 sind es inzwischen, 434 davon habe ich vollständig ausgewertet, Satz für Satz. Dabei zeigt sich etwas, das mich anfangs selbst überrascht hat: Rund die Hälfte der verlorenen Gespräche scheitert am exakt selben Fehler. Es wird ein Angebot gemacht, bevor klar ist, was der Mensch gegenüber wirklich braucht. Dann entsteht Druck. Und auf Druck reagiert jeder mit Abwehr. Diese Stelle taucht in keiner Abschlussquote auf. Sie taucht nur im Gespräch auf.

Der Streit, den du ohne Zahlen nicht schlichten kannst

Der Vertrieb sagt „schlechte Leads", das Marketing sagt „schlechter Vertrieb". Beide haben Argumente, keiner hat Zahlen. Und du musst entscheiden. Hand aufs Herz — ohne Zwischenzahlen entscheidest du nach Sympathie. Das ist keine Führung, das ist Bauchgefühl mit Personalverantwortung.

Zerleg das Gespräch in Übergänge — und miss jeden einzeln

Ein Verkaufsprozess ist eine Kette. Und eine Kette hält nicht überall gleich schlecht, sie hat genau eine schwächste Stelle.

Die Übergänge, die du messen musst

  • Anfrage zu Erstkontakt: Wie viele der Menschen, die sich melden, erreichst du überhaupt — und wie schnell?
  • Erstkontakt zu Termin: Wie viele sagen einem Gespräch zu?
  • Termin zu gehaltenem Termin: Wie viele erscheinen tatsächlich?
  • Gehaltener Termin zu verstandener Situation: Kann dein Verkäufer hinterher in drei Sätzen sagen, was den Kunden umtreibt, was ihn das kostet und warum er ausgerechnet jetzt darüber redet? Kann er es nicht, ist das Gespräch an dieser Stelle vorbei — er weiß es nur noch nicht.
  • Angebot zu Entscheidung: Wie viele entscheiden sich — ja oder nein? Ein „Ich melde mich" ist keine Entscheidung, sondern ein offener Posten.

Was jede Stelle dir verrät

Fällt die Zahl schon zwischen Anfrage und Erstkontakt ab, hat das mit Verkaufen nichts zu tun. Dann rufst du zu spät an. Wir haben das in unserem eigenen CRM gemessen: Zwischen Anfrage und erstem Anruf lagen im Median 73,7 Stunden. Drei Tage. Kein Verkäufer der Welt rettet das, und keine Provisionsregelung auch.
Fällt die Zahl beim Erscheinen zum Termin ab, war die Terminvereinbarung nicht sauber — da hat jemand einen Termin verkauft, statt eine Entscheidung vorzubereiten. Und fällt sie zwischen Angebot und Entscheidung ab, bist du an der klassischen Stelle: Das Angebot kam, bevor der Bedarf stand. Genau dort schrauben fast alle zuerst am Preis herum, obwohl der Preis nie das Problem war.

Die eine Regel, die Verkäufer und Angebot auseinanderhält

Wenn drei Menschen unabhängig voneinander denselben Fehler machen, ist es kein Zufall, sondern eine Konstruktion.

Alle verlieren an derselben Stelle: Es liegt nicht am Menschen

Verlieren drei Verkäufer unabhängig voneinander an derselben Stelle, haben nicht drei Menschen zufällig dieselbe Schwäche. Dann ist die Stelle das Problem. Beispiel: Alle drei bekommen beim Preis dieselbe Reaktion. Entweder passt der Preis nicht zu dem Wert, den ihr vorher aufgebaut habt — oder ihr habt gar keinen Wert aufgebaut, sondern nur Funktionen erzählt. Beides änderst du nicht im Menschen.

Einer verliert, wo die anderen durchkommen: Jetzt redest du über den Menschen

Das ist der einzige Fall, in dem du wirklich über eine Person redest. Und selbst dann redest du nicht über „gut" oder „schlecht", sondern über eine Stelle: „Bei dir enden acht von zehn Gesprächen ohne Entscheidung, sobald der Preis fällt. Bei den anderen sind es drei. Lass uns genau da hinschauen." Damit kann ein Mensch arbeiten. „Du bist zu schwach im Abschluss" ist eine Beleidigung mit Zahlenanstrich.

Die Falle, in die fast jeder Inhaber tappt

Bei sechs Gesprächen im Monat ist jede Quote Zufall. Zwei Abschlüsse mehr, und dein schlechtester Verkäufer ist plötzlich dein bester. Unter ungefähr 25 bis 30 gehaltenen Gesprächen redest du nicht über Leistung, sondern über Würfel.

Was du als Inhaber wöchentlich wirklich wissen musst

Du brauchst keinen Aktivitätsbericht. Du brauchst vier Zahlen und ein Gespräch.

Die vier Zahlen

  • Wie viele neue Anfragen kamen rein — und wie lange dauerte es bis zum ersten Anruf?
  • Wie viele Gespräche wurden tatsächlich gehalten?
  • Wie viele davon endeten mit einem Angebot?
  • Wie viele Angebote wurden entschieden — Ja oder Nein?

Warum Aktivität die falsche Währung ist

Ich habe genug Vertriebe gesehen, in denen Anrufe gezählt wurden. Achtzig Wählversuche am Tag, saubere Liste, tolle Stimmung — und am Monatsende null. Aktivität lässt sich vortäuschen. Übergänge nicht. Wer vierzig Gespräche führt und daraus drei Angebote macht, hat kein Fleiß-Problem, sondern ein Gesprächs-Problem. Wenn du Aktivität misst, bekommst du Aktivität.

Das wöchentliche Gespräch: 30 Minuten, eine Stelle

Setz dich einmal pro Woche dreißig Minuten mit jedem Verkäufer zusammen. Nicht, um Zahlen abzufragen — die stehen längst da. Sondern um eine einzige Stelle zu besprechen: „Schildere mir das Gespräch, das du letzte Woche verloren hast. Nicht das Ergebnis — den Verlauf." Du wirst überrascht sein, wie oft der Verkäufer beim Erzählen selbst hört, an welcher Stelle es schiefgegangen ist.
Und ein Werkzeug, das nichts kostet: Lass deine Leute direkt nach jedem Gespräch drei Sätze mitschreiben. Was wollte der Kunde? Was hat ihn umgetrieben? Woran ist es gescheitert? Nach vier Wochen hast du ein Bild, das dir keine Auswertung liefert.

Führen heißt: eine Baustelle, nicht zehn

Ein Mensch verbessert sich an einer Stelle gleichzeitig, nicht an fünf.

Warum es fast immer die Qualifizierung ist

In den 434 Gesprächen, die ich vollständig ausgewertet habe, ist die häufigste Ursache immer dieselbe: Das Angebot kommt zu früh. Der Verkäufer hat verstanden, was der Kunde macht — aber nicht, was ihn stört, was ihn das kostet und warum er ausgerechnet jetzt darüber spricht. Ohne diese drei Antworten ist jedes Angebot ein Ratespiel. Der Kunde spürt das sofort. Er sagt dann nicht „Sie haben mich nicht verstanden". Er sagt „zu teuer" oder „ich melde mich". Gib deinem Verkäufer genau diesen einen Punkt mit — und lass ihm die Gespräche, die er braucht, um ihn zu können.

Und was du gerade NICHT tun solltest

Nicht das Skript verschärfen. Nicht mehr Druck aufs Team geben. Nicht die Provision umbauen, bevor du weißt, wo es klemmt. Ich habe genug Inhaber gesehen, die monatelang am Vergütungsmodell geschraubt haben, während das eigentliche Problem drei Minuten vor der Preisnennung lag.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob es am Angebot liegt und nicht am Verkäufer?

Daran, ob das Muster über mehrere Menschen hinweg gleich ist. Verlieren alle deine Verkäufer an derselben Stelle des Gesprächs, liegt es nicht am Menschen, sondern am Angebot, am Preis oder an der Zielgruppe. Verliert nur einer an einer Stelle, an der die anderen durchkommen, liegt es an ihm. Diese eine Unterscheidung ersetzt fast jede Diskussion im Vertriebsmeeting — vorausgesetzt, du misst die Übergänge und nicht nur das Ergebnis.

Wie viele Gespräche brauche ich, damit eine Quote überhaupt aussagekräftig ist?

Als Faustregel: Unter 25 bis 30 gehaltenen Gesprächen pro Verkäufer redest du über Zufall, nicht über Leistung. Bei kleinen Zahlen misst du über ein Quartal statt über eine Woche. Und du schaust dir die Gespräche selbst an, nicht nur die Zahl darunter — bei geringen Stückzahlen ist der Verlauf aussagekräftiger als die Quote.

Soll ich meine Verkäufer an der Anzahl der Anrufe messen?

Nein. Aktivität lässt sich vortäuschen, Übergänge nicht. Miss, wie viele Gespräche gehalten wurden, wie viele davon zu einem Angebot geführt haben und wie viele Angebote entschieden wurden. Die Anzahl der Anrufe ist nur dann interessant, wenn sie gegen null geht — dann hast du allerdings ein anderes Problem als eine schlechte Quote.

Muss ich als Inhaber selbst noch Verkaufsgespräche führen?

Nicht dauerhaft. Aber du musst es können. Wer nie selbst verkauft hat, kann kein Gespräch beurteilen, kein Angebot verteidigen und keine Quote lesen. Er sieht nur die Zahl am Ende und rät, woran es lag. Du sollst abgeben — und du kannst nur abgeben, was du selbst beherrschst.

Was mache ich mit einem Verkäufer, dessen Zahlen seit Monaten nicht stimmen?

Zuerst prüfst du, ob die Stelle, an der er verliert, dieselbe ist, an der auch die anderen verlieren. Wenn ja, ist es nicht sein Problem. Wenn nein: eine Stelle benennen, eine Frist setzen, vier bis sechs Wochen lang jedes verlorene Gespräch gemeinsam durchgehen. Bewegt sich an dieser einen Stelle nichts, hast du eine ehrliche Entscheidung zu treffen — aber dann hast du einen belegbaren Grund und kein Bauchgefühl.

Fazit

Die Frage „liegt es am Closer oder am Angebot" ist beantwortbar — nur nicht mit einer Zahl am Monatsende, sondern mit den Zahlen entlang des Gesprächs. Zerleg das Gespräch, miss jeden Übergang, und arbeite dann an einer einzigen Stelle, bis sie sitzt.
Die Zahlen zeigen dir die Stelle. Was dort passiert, hörst du nur, wenn du selbst weißt, wie ein gutes Gespräch klingt. Deshalb ist Vertriebsführung Handwerk, keine Verwaltung. Du sollst nicht ewig selbst telefonieren. Du sollst ein Team haben. Aber du kannst kein Vertriebsteam führen, das du selbst nie gespielt hast.
In einem kostenlosen Strategiegespräch gehen wir deine Zahlen durch, du schilderst mir ein verlorenes Gespräch, und wir schauen, ob es am Menschen liegt oder am Angebot. Ohne Druck, auf Augenhöhe.
Über den Autor: Farhud Mehrdad ist Gründer von Closeable und seit über 15 Jahren im Vertrieb. Er hat mehr als 4.100 echte Verkaufsgespräche analysiert, davon 434 vollständig ausgewertet, und über 1.000 Kunden selbst abgeschlossen. Heute berät er inhabergeführte Unternehmen, deren Vertrieb Abschlüsse verliert, ohne dass jemand weiß, wo.