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Ratgeber · Vertrieb · Lesezeit 8 Minuten · Aktualisiert am 11. Juli 2026

Durchschnittliche Abschlussquote im Vertrieb: was normal ist — und was nicht

Irgendwann kommt die Frage: Ist meine Abschlussquote eigentlich gut? Dann beginnt die Suche nach einer Zahl, an der man sich messen kann — und man findet Zahlen. Nur stammen sie aus Quellen, die entweder nichts mit dem eigenen Geschäft zu tun haben oder sich bei genauem Hinsehen in Luft auflösen. Deshalb fange ich mit der unbequemen Antwort an: Eine belastbare deutsche Branchenstatistik zur durchschnittlichen Abschlussquote im Vertrieb gibt es nicht. Was es gibt, ist Erfahrung aus echten Gesprächen. Die kann ich dir offenlegen.

Die kurze Antwort

Wenn du mit jemandem sprichst, der vorher geprüft wurde und wirklich zu deinem Angebot passt, dann sind 30 bis 40 Prozent solide. Das heißt: Von zehn ernsthaften Gesprächen werden drei bis vier zu Kunden. Damit kann man ein Unternehmen führen.
Liegst du dauerhaft bei etwa 10 Prozent, ist das keine Pechsträhne und keine Frage der Tagesform. Dann steckt ein struktureller Fehler im Ablauf — meistens sitzt er weit vor dem Moment, in dem über den Preis geredet wird.
Und wenn du dauerhaft weit über der Hälfte abschließt, ist das kein Grund zum Feiern, sondern ein Anlass, zwei Dinge zu prüfen: Bist du zu billig? Und führst du überhaupt genug Gespräche?
Diese Zahlen sind keine Statistik. Sie sind meine Erfahrung aus über 4.100 echten Verkaufsgesprächen, von denen ich 434 vollständig ausgewertet habe. Ich sage dir lieber ehrlich, woher meine Zahlen kommen, als dir eine Studie zu zitieren, die es nicht gibt.

Warum es DIE eine Zahl nicht gibt

Such einmal selbst nach einer durchschnittlichen Abschlussquote. Du wirst Werte finden, die zwischen wenigen Prozent und weit über der Hälfte liegen. Beides steht mit ernster Miene da, und beides ist wertlos — weil niemand dazusagt, was überhaupt gezählt wurde.
Das Problem ist der Nenner. Der eine rechnet seine Abschlüsse gegen alle Anfragen, die je hereinkamen. Der Nächste rechnet gegen alle gebuchten Termine, No-Shows inklusive. Der Dritte rechnet nur gegen die Gespräche, in denen er tatsächlich ein Angebot gemacht hat. Dieselbe Firma kann so je nach Rechenweg bei 8 Prozent oder bei 45 Prozent landen, ohne dass sich ein einziger Kunde verändert hätte.
Dazu kommen Dinge, die eine Quote auseinanderziehen, ohne dass jemand besser oder schlechter verkauft: Wie teuer ist dein Angebot? Wie lange braucht die Entscheidung? Entscheidet einer allein oder mehrere gemeinsam? Kommen die Leute auf Empfehlung oder über bezahlte Werbung? Sortierst du vor dem Gespräch aus — oder redest du mit jedem, der einen Kalendereintrag findet?
Deshalb ist der Vergleich mit einer fremden Zahl fast immer Zeitverschwendung. Die einzige Quote, die dir etwas sagt, ist deine eigene — verglichen mit deiner eigenen von vor drei Monaten.

Woran du deine eigene Quote richtig misst

Die Formel ist simpel: Abschlüsse geteilt durch stattgefundene Gespräche. Entscheidend sind die drei Regeln drumherum.
1. Zähl nur Gespräche, die wirklich stattgefunden haben — nicht gebuchte Termine. Wer No-Shows in dieselbe Zahl wirft, misst zwei völlig verschiedene Probleme in einer Kennzahl und weiß hinterher nicht, welches davon er repariert hat. Ob Leute erscheinen, ist eine Frage der Terminqualität. Ob sie kaufen, ist eine Frage des Gesprächs. Zwei Zahlen, zwei Baustellen.
2. Rechne monatlich, nicht wöchentlich. Bei sechs Gesprächen in einer Woche verändert ein einziger Abschluss die Quote um mehr als 15 Prozentpunkte. Diese Ausschläge sagen nichts über deinen Vertrieb und alles über die kleine Zahl. Wer wöchentlich auswertet, jagt Rauschen und baut jede Woche etwas um, das gar nicht kaputt war.
3. Trenn nach Herkunft. Das ist der Punkt, den fast alle auslassen — und der am meisten verrät. Empfehlungen schließen deutlich besser ab als kalte Anfragen, weil das Vertrauen schon da ist, bevor du den Mund aufmachst. In meinem eigenen Vertrieb ist der Unterschied so groß, dass praktisch der gesamte Umsatz aus Empfehlungen kommt, während bezahlte Anfragen kaum etwas beitragen.
Wer alles in einen Topf wirft, bekommt eine mittlere Zahl, die es in Wirklichkeit nirgends gibt. Und wer dann mehr Werbung einkauft, um „mehr Umsatz zu machen“, verdünnt seine eigene Quote und wundert sich, warum die Arbeit mehr wird und der Gewinn nicht.

Was eine hohe Quote verrät — und was sie verschweigt

Eine hohe Abschlussquote fühlt sich gut an. Sie ist aber kein Beweis dafür, dass du gut verkaufst. Sie ist erst einmal nur ein Verhältnis — und Verhältnisse kann man auf zwei Arten schön machen: den Zähler erhöhen oder den Nenner klein halten.
Möglichkeit eins: Du bist zu billig. Wenn fast jeder sofort zusagt und niemand mehr über den Preis spricht, hast du das Ja nicht verdient, sondern gekauft. Ein Angebot, bei dem nie jemand schluckt, ist meistens unter Wert ausgezeichnet. Die Quote steigt, der Deckungsbeitrag fällt — und in der Rechnung am Jahresende steht trotzdem zu wenig.
Möglichkeit zwei: Du führst zu wenige Gespräche. Vier von fünf sind 80 Prozent. Zwölf von vierzig sind 30 Prozent. Die zweite Zahl sieht schlechter aus und bringt dreimal so viele Kunden. Eine Quote ohne die dahinterliegende Gesprächszahl ist keine Information, sondern Dekoration.
Deshalb notiere ich immer beides nebeneinander: die Quote und die Anzahl. Erst zusammen ergeben sie einen Satz, der stimmt. Und erst dann sieht man, ob der nächste Schritt „besser verkaufen“ heißt oder „öfter verkaufen“.

Was die Quote wirklich bewegt

Jetzt der Teil, für den ich die Daten habe. Ich habe 434 Verkaufsgespräche vollständig ausgewertet — nicht überflogen, sondern von vorne bis hinten durchgegangen. Das auffälligste Ergebnis: Rund die Hälfte aller verlorenen Gespräche ging an derselben Stelle verloren. Und zwar nicht am Ende, wo der Preis genannt wird, sondern viel weiter vorne.
Das Muster ist immer dasselbe. Der Verkäufer hört ein Stichwort, erkennt das Problem — und legt sofort los. Er erklärt seine Lösung, bevor der Mensch gegenüber sein eigenes Problem ausgesprochen hat. Damit fehlt die Qualifizierung. Es steht ein Angebot im Raum, für das nie jemand einen Bedarf formuliert hat.
Was danach passiert, ist menschlich vorhersehbar. Der Verkäufer spürt, dass etwas nicht zündet, und legt nach. Er erklärt mehr, argumentiert länger, wird dringlicher. Es entsteht Druck. Und Druck erzeugt bei jedem erwachsenen Menschen dasselbe: Abwehr. Am Ende hört er „Ich melde mich“ — und hält das für einen Einwand, den man mit einer besseren Formulierung hätte lösen können. Konnte man nicht. Die Entscheidung war zehn Minuten vorher gefallen.
Der Hebel für deine Abschlussquote liegt also fast nie da, wo alle ihn suchen. Nicht in schlagfertigen Antworten am Schluss, sondern in der ersten Hälfte des Gesprächs: Lass ihn sein Problem selbst aussprechen. Frag früh, was ihn der aktuelle Zustand konkret kostet. Frag früh, wer mitentscheidet. Sprich früh über die Größenordnung des Geldes. Wer das tut, macht sein Angebot nicht überzeugender — er macht es überhaupt erst nötig.
Und ein praktischer Rat, damit du das bei dir selbst prüfen kannst: Schreib dir direkt nach jedem Gespräch drei Sätze mit — was der andere wörtlich als sein größtes Problem genannt hat, was ihn zurückhält, und wer noch mitentscheidet. Nach zehn Gesprächen siehst du an deinen eigenen Notizen, an welcher Stelle du zu früh anfängst zu erklären.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Abschlussquote im Vertrieb?

Bei Gesprächen mit Interessenten, die vorher geprüft wurden und zum Angebot passen, sind 30 bis 40 Prozent solide. Bei kalten oder ungeprüften Anfragen liegt der Wert deutlich darunter, ohne dass jemand etwas falsch macht. Eine allgemeingültige Zahl für alle Branchen gibt es nicht — und wer dir eine nennt, sagt dir meistens nicht, was er dabei gezählt hat.

Wie berechne ich meine Abschlussquote?

Abschlüsse geteilt durch die Gespräche, die tatsächlich stattgefunden haben. Termine, zu denen niemand erschienen ist, gehören nicht in diese Rechnung — sie sind ein eigenes Thema. Werte monatlich aus, nicht wöchentlich, und trenn die Zahlen nach Herkunft der Anfrage. Alles andere ergibt eine Zahl, die es so nirgends gibt.

Warum ist meine Abschlussquote so niedrig?

In den 434 Gesprächen, die ich vollständig ausgewertet habe, ging rund die Hälfte der verlorenen an derselben Stelle verloren: Es wurde eine Lösung angeboten, bevor der Interessent sein Problem selbst ausgesprochen hatte. Die fehlende Qualifizierung führt zu Nachlegen, das Nachlegen zu Druck und der Druck zu Abwehr. Wer bei rund 10 Prozent liegt, hat fast immer dieses Muster im Gespräch — nicht ein Formulierungsproblem am Schluss.

Ist eine hohe Abschlussquote immer gut?

Nein. Eine sehr hohe Quote ist häufig ein Preissignal: Wenn fast jeder sofort zusagt, ist das Angebot vermutlich zu günstig. Der zweite häufige Grund sind zu wenige Gespräche — wer nur mit den sicheren Kandidaten spricht, hat eine schöne Quote und wenig Umsatz. Betrachte die Quote deshalb nie ohne die Anzahl der Gespräche daneben.

Wie oft sollte ich die Quote auswerten?

Einmal im Monat reicht. Bei wöchentlicher Auswertung verändert ein einzelner Abschluss das Bild so stark, dass du auf Zufall reagierst statt auf Wirklichkeit. Wer jede Woche etwas umbaut, weiß am Ende des Quartals nicht mehr, was gewirkt hat.

Fazit

Es gibt keine seriöse Durchschnittszahl, an der du dich festhalten kannst. Was es gibt, sind Orientierungspunkte aus echten Gesprächen: 30 bis 40 Prozent bei passenden, vorher geprüften Interessenten sind solide. Rund 10 Prozent sind ein Warnzeichen für einen strukturellen Fehler. Und eine auffällig hohe Quote ist meistens ein Hinweis auf einen zu niedrigen Preis oder zu wenige Gespräche.
Wichtiger als der Vergleich mit anderen ist die Frage, an welcher Stelle deine eigenen Gespräche verloren gehen. Meine Auswertung sagt: bei den meisten vorne, nicht hinten. Wenn du wissen willst, wo genau bei dir die Bremse sitzt, nimm dir ein kostenloses Strategiegespräch — wir gehen dein letztes Verkaufsgespräch gemeinsam durch, in Ruhe und ohne Druck.
Über den Autor: Farhud Mehrdad ist Gründer von Closeable und seit über 15 Jahren im Vertrieb. Er hat mehr als 4.100 echte Verkaufsgespräche analysiert, davon 434 vollständig ausgewertet, und über 1.000 Kunden selbst abgeschlossen. Heute berät er inhabergeführte Unternehmen, deren Vertrieb Abschlüsse verliert, ohne dass jemand weiß, wo.

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